endlose nacht

in endloser nacht
taut die liebe auf
schmilzt auf der haut
oh, endlose nacht!

das herz liest gedichte
in den blicken,
zählt die küsse
brennende hände
tasten nach liebe

doch sie schmilzt
und verflüchtigt sich
in der dämmerung
der morgen küsst uns
schweigen auf die lippen –
diese nacht war
bloß ein traum.

.

©wortzeitlos

auf den frühling wartend

mattgrün ruhen noch
die wiesen
antiquierte gedichte
liegen in den gräben
(längst vergessene)

vereinzelt kommen vögel,
berühren den
blausamen himmel
mit ihren flügeln,
tauchen hinter wolken
unter

aus den augen
aus dem sinn,
doch ein gedicht schwebt
vor meinem gesicht –
dann brechen worte
aus den zeilen heraus,
ruhen sich stumm
zwischen den gräsern aus

und ich spüre,
du bist einsam
zwischen grün und blausam,
wie du dort verweilst,
auf den frühling
wartend …

 

©wortzeitlos

 

stumme einsamkeit

wenn du jetzt jemanden
zum reden hättest
würden die worte
dich aus der einsamkeit
reißen,
sich an den gedanken
des anderen festklammern,
um in ihm nachzuhallen,
ihn zu bleiben zwingen

damit neue worte,
die in dir reifen
nicht mehr
in die nachtschwarze
leere der einsamkeit
fallen

ohne gehört zu werden

 

©wortzeitlos

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auf silberpfaden der nacht

sterne leuchten
wie diamanten
in der schwarzen nacht
das weh der seele
mäandert auf silberpfaden
zum hellgroßen mond
tränen tropfen auf wolken,
dort schlummern sie
allein, verlassen

du bist einsam
wenn du wach bist
spürst, wie alles
auf dir lastet
nur der schlaf kann
das weh der seele
vergessen machen
wenn es zum mond mäandert,
auf silberpfaden der nacht

 

©wortzeitlos

die zweisamen

die einsamen sind
in ihrem schweigen
allein aber frei
sie hätten viel zu sagen

die zweisamen sind
in ihrem schweigen
gefangen
sie haben sich
nichts mehr zu sagen

worte trennten sie eher,
als sie zusammenzuschweißten

wenn sie ihr schweigen
brechen würden
sähen sie, wie fremd sie
einander geworden sind
und auch die tiefen gräben
zwischen ihnen, die sie
mit ihrem schweigen
selbst gruben

dort, in der tiefe liegen
viele ihrer worte, die
nie mehr auferstehen
werden

 

©wortzeitlos