im bauch der zeit

momente, düfte, gerüche, sie verschweigen nichts, rücken in den vordergrund, wehen mit dem wind von ast zu ast, von baum zu baum, erinnerungsschwer, mit melancholie angehaucht, aus liebe und kummer gewebt, sich gegen das vergessen wappnend. alles, was noch kommt, steht auf einem anderen, einem neuen blatt, noch nicht verdichtet, ganz jungfräulich, von worten unberührt, wie ein leeres, unbeschriebenes heft; ereignisse, glück und unglück, leben oder tod keimen im bauch der zeit – erst in wochen oder monaten erblicken sie das licht der welt.

 

©wortzeitlos

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ein baum, ein see

ein baum,
etwas einfaches
das lebt und atmet
und ein see
wie ewiger raum
inmitten der welt –
über all das
thronen die götter
am himmel

oder

das schicksal
mit seinem
unsichtbaren plan –

für den baum,

für den see,

für uns …

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©wortzeitlos

das ungewisse

von dem wind getragen
herzbang und atemschwer
schlagen die
gebrochenen flügel –

ob die zukunft sie heilt?

stunden pendeln
hin und her
alte zeitrinden
berührend –

aber dann,
aus ihrer bahn geworfen
durchbrechen sie
die mauer der zukunft,
landen im schoß
des ungewissen
mit angstfurchen
bedeckt

©wortzeitlos

seelenmeer

sterne der nacht
in deiner hand
wenn sie meine
wangen berührt
küssen die sterne
meine lippen

sanft, wie du

 

sanft ruht die nacht
auf meiner haut
prickeln deine worte
und segeln auf unserem
stillen seelenmeer
durch den nebel
der zukunft

nicht länger
suchend

 

©wortzeitlos

 

spuren

ich blicke auf die felder
auf die endlose weite vor mir
nackt, abgeerntet
sind die felder der blühenden
zeit des sommers
ein fleckchen erde
unter meinen füßen
ist die ganze welt

die felder, die welt
gehören mir nicht
aber ich gehöre dazu

ein sonnenstrahl bohrt sich
durch die wolken
es ist nicht meine sonne
sie gehört mir nicht
doch sie scheint auch
für mich

uns gehört hier nichts
wir reisen nur durch die zeit
durch die felder, durch die welt

wir hinterlassen spuren
wir hinterlassen schmutz

irgendwann vielleicht
wird keiner mehr sehen
dass wir hier gewesen sind
unsere spuren
unseren schmutz

vielleicht werden sie
irgendwann unter fluten
begraben sein
wir, der schmutz
die ausgedörrten felder,
die spuren verbrannter
wälder

 

die welt

 

©wortzeitlos

#blackfridayforfuture