worte verbannt

wer annimt,
der sollte auch geben
wer aufgefangen wird
sollte keinen fallen lassen
wie die bäume ihre blätter
im herbst

wer des redens
nicht müde wird,
sollte auch schweigen
(können)

wer einem die worte
im mund verdreht
sollte in sich gehen,
die worte worte sein lassen,
wie sie gesprochen werden

***

ich stehe in einem kreis
von flammenden kerzen
in dem spiegel, den du
mir vorhältst,
kann ich mich nicht sehen
nur den kreis der kerzen,
die flammen um meine
unsichtbakeit herum

bald wird es regnen
die kerzen werden erlöschen
meine worte verstummen
(die verdrehten)
du kehrst aus deinem
inneren zurück

schweigend betrachten wir
die bäume, wie sie ihre
blätter fallen lassen
kaltherzig, unverfroren

wir nehmen unsere worte
und hängen sie auf die nackten äste
die, die zwischen uns fielen,
zu laut, zu verletzend waren

 

sie haben keinen
platz mehr bei uns

 

©wortzeitlos

novemberwind

der wind regt sich
streift die äste
spielt mit den losen blätter
auch sie fallen hinunter

die straßen sind
mit blättern übersät
meine füße waten
in ihrer vergänglichkeit
verfangen sich in den worten
die sie vor ihrem
winterschlaf flüstern

es wird ein schlaf
ohne erwachen sein –

die worte sickern
in meine gedanken
die verblichenen blätter
leben in ihnen weiter,
atmen in mir reihen
sich zu einem gedicht

 

©wortzeitlos