erinnerungen

der stall im dorf
die schafe des nachbars
das blöcken beim scheren
das geruch der angst
das geruch feuchter wolle

das glockengeläut
der kirche am sonntag
(weckte uns immer)

der postbote
das tägliche läuten
an der tür
die fliegen in der küche
im sommer

der dunst am morgen
kam vom wald
dein kuss
als du morgens
das haus verließt
kam von herzen
und dein lächeln
war liebe

 

©wortzeitlos

gedankenwache

gedanken halten
mich wach
von der nacht draußen
strömt immer mehr
dunkelheit ins zimmer
konturen verlieren sich
in ihren eigenen schatten

nur die gedanken
springen hin- und her
halten sich an worten fest
die wie haken,
an den wänden hängen –
dort hatten sie sich einst
verfestigt, sich selbst befestigt
als stumme klagen
über meine lippen kamen

oder waren sie doch zu laut,
in worte gekleidet habe ich
sie gegen die wand
geschleudert vor lauter wut
auf mich selbst,
auf das leben –

 

auf dich, der mich
einst verließ

 

©wortzeitlos

blinder spiegel

der winter reist
um meine seele
um mein herz

hält einzug
zwingt mich zur einkehr
in das tiefe innere zu blicken
wo sonst nur frühling,
sommer daheim sind

der winter
drängt sich dazwischen
lässt die blüten erfrieren
das blühen erstarren
gräbt alles um
will mir zeigen
dass neben wärme
auch kälte
in mir wohnt
gleichgültigkeit
verzweiflung
und wut
auf mich selbst

alle im blinden spiegel
meiner seele verborgen –

da blicke ich nicht gern
hinein

 

©wortzeitlos

Gedankensplitter: das Ego

Was ich mir von der Evolution wünschen würde: das Ego der Menschen möge sich bis zur Unkenntlichkeit zurückentwickeln. Für viele wäre es ein Segen, für viele der Untergang, wortzeitlos blog

bild&text: wortzeitlos

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sehnsucht

der frühling ruft nicht
der sommer ruft nicht
längst sind sie verstummt
die blumen verblichen
die vögel fort

ich aber rufe nach dir
spähe hinter jeden baum
blicke zu den wolken
und meine sehnsucht
bohrt sich in den
grauen nebel

auf der suche
nach dir

 

©wortzeitlos

nicht gesucht

wie dein haar
voller sonne glänzte
und das lied der liebe
in deinen augen
erklang
damals, als ein wunder
vom himmel fiel,
uns fast erschlug

wir taten nichts dafür
wir suchten nicht nach ihm

wir wagten es
nicht mehr –
zu viele narben
hinderten uns daran
und auch wunden,
die immer noch pochten
vor unvergessenem
schmerz

 

©wortzeitlos